Helden und Idioten

Bundesarchiv_Bild_183-64597-0002,_Hobrechtsfelde,_Bauern_beim_Ausmisten

In der Mediathek von arte.tv ist momentan eine bemerkenswerte Reportage über den Olympus-Skandal von 2011 abrufbar.

Interessant ist die strukturelle Problematik hinter den eigentlichen Vorgängen der Bilanzfälschung bei Olympus. Ist die Reportage zwar auf ein Extrembeispiel des Führungsversagens bei einer Technologiefirma in Japan fokussiert, so kann doch eine Relevanz auch für deutsche Großkonzerne nicht von der Hand gewiesen werden.

Hauptgrund für die skandalösen Vorgänge bei Olympus war eine „Vererbung“ von unsauber „gelösten“ Problemen von einer Managementgeneration zur nächsten. Erst als ein ausländischer Manager in die Führungsriege eintritt, der – aus einer ausländischen Tochter kommend – nicht mehr bereit ist, die „Erbschaft“ anzunehmen, bricht das bilanzielle „Kartenhaus“ in einem großen Skandal zusammen.

Jeder Manager wird bei der Übertragung einer neuen Aufgabe schon einmal Vorgänge übernommen haben, die er für zweifelhaft hielt. Sei es eine „angepasste“ Statistik, deren Zielwerte ohne weitere „Beeinflussung“ nicht mehr erreichbar sind. Seien es merkwürdige Abmachungen mit anderen Managern, die bei freier Entscheidung so nie vom „Neuen“ getroffen worden wären. Es gibt leider viele Methoden, die inkonsequente Manager unter Druck wählen, um erkennbar notwendige Maßnahmen nicht umsetzen zu müssen.

In einer solchen Situation hängt es von vielen Parametern ab, was die erfolgreichste Strategie im Umgang damit ist. Wichtig dabei ist zu verstehen, welche „Machthaber“ – ob offiziell hierarchische oder nur informelle – in die Manipulation involviert sind. So kann eine schlecht vorbereitete Aufdeckung an der falschen Stelle schnell institutionellem Selbstmord gleichkommen. Allerdings darf natürlich auch nicht zu lange an einer geeigneten Strategie „gefeilt“ werden, da ansonsten der „Neue“ schnell die „Erbschaft“ gegen seinen Willen angetreten hat und selbst nicht mehr aus der Verantwortung dafür herauskommt.

Und natürlich kann es immer bedeuten: Gehen zu müssen, weil man erkennbar einen „Saustall“ übernommen hat, den man aber nicht „ausmisten“ darf, ohne dabei selbst Schaden zu nehmen. Diese Entscheidung ist hart, aber allemal konsequenter, als eine „Erbschaft“ anzutreten, deren Schadenspotential vielleicht in Zukunft viel höher ist als ein schneller Schnitt jetzt.

Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-64597-0002CC BY-SA 3.0 de

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