Das Anthropozän

631px-Bundesarchiv_B_145_Bild-F015002-0002,_Moers-Utfort,_Kohlebergbau

Nach länglicher Abwesenheit von meinem Blog hier – die aktuelle politische Situation hat dazu geführt, dass sich meinen Fokus auf Liberalitas online und seine Inhalte verschoben hatte – möchte ich mich auch an dieser Stelle wieder zurückmelden.

Diesmal mit einem Hinweis auf einen guten Podcast auf dradio, der sich mit dem Anthropozän und seinen Auswirkungen auf das Leben und die Arbeit der Menschen auseinandersetzt. (Textlink)

Anthropozän meint dabei nach Paul Crutzen das „Erdzeitalter des Menschen“, das mit der industriellen Revolution begann. Und dessen Vorteile zumindest wir Menschen in den entwickelten Staaten durch unseren Wohlstand und unsere arbeitsteilige Gesellschaft genießen, dessen Nachteile – Erderwärmung, Ressourcenverschwendung und das Gefühl der Sinnentleerung unserer Arbeit – wir aber weltweit spüren.

Ermöglichte uns der technische Fortschritt eine weitgehende Erleichterung der Arbeit und eine Verkürzung der Arbeitszeit, droht uns in den entwickelten Ländern mittlerweile die halbwegs gut bezahlte Arbeit auszugehen. Während die Automatisierung vor allem Arbeiten mit niedrigem Kompetenzbedarf überflüssig machte, sind mittlerweile durch die Digitalisierung auch höherwertige Tätigkeiten gefährdet.

Gleichzeitig steigt der Druck auf die Umsetzer der Digitalisierung, während die zunehmende Distanz zum eigentlichen Produkt der Arbeit durch die fast schon fraktale Arbeitsteilung zu Sinnentleerung und romantisiertem Rückzug in dörfliche – dabei gerne aber weltweite – Strukturen führt.

Das Kapital zentralisiert sich immer stärker – „the winner takes it all“ ist das Motto der neuesten Zeit -, es ist weltweit verschiebbar und scheu wie ein Reh. Und es entzieht sich den im nationalen verhafteten Gesellschaftsstrukturen, die es nur noch als Markt zum Erreichen der exorbitanten Wachstumsziele anerkennt, denen gegenüber es aber keine Verantwortung mehr verspürt.

So dystopisch der erste Teil des Beitrags ist: Der Kampf um die Beibehaltung der Freiheit des Menschen wird uns tatsächlich auch weiterhin und in immer stärkerem Maße begleiten.

Angesichts der Skepsis auch der informiertesten Bürger, ob ihre Repräsentanten die Gestaltungsmacht über die Form der zukünftigen Technik und Lebenswelt gegen die global agierenden privatwirtschaftlichen Konzerne, Kartelle und Finanzoligarchien zurückgewinnen können; angesichts des anschwellenden, dumpfen Zweifels, ob sie das überhaupt noch wollen; angesichts der grassierenden Furcht vor einem technischen Totalitarismus und angesichts der hartnäckigen Furcht vor Konsumbeschränkung in den reichen Ländern ist die wichtigste Arbeit im Anthropozän die Instandbesetzung der erodierenden demokratischen Institutionen auf allen Ebenen. Und die wichtigste, aber derzeit knappste Ressource dafür, die Neugier, der Optimismus, die Wut und die Energie des zoon politicon. Und die optimistischste Hoffnung ist diejenige, dass es sich dabei um eine demokratische, dezentrale, erneuerbare und rechtzeitig nachwachsende Energie handelt.

Und wer, wenn nicht wir – die gut Ausgebildeten, Kreativen und durch die technischen Entwicklungen von Armut und Mühsal Befreiten – sollten diesen Kampf um unsere Zukunft führen?

Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F015002-0002 / Hoffel, v. / CC BY-SA 3.0 de

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