Manager und Laufsport

Jeder kennt sie, die höheren Manager, die sich regelmäßig über die volle Distanz des Marathons quälen. Die morgens vor oder abends nach der Arbeit noch „kurz“ 20 km abspulen, bei Wind und Wetter, bei Hitze und Kälte. Und die dann gerne im Extremfall ihr Selfies mit dem morgendlichen Nasenbluten vorzeigen, weil die Temperatur für knapp 20 km laufen doch zu kalt war.

Zeit.de hat diese Manager zum Inhalt eines Interviews gemacht, das der Frage nachgeht, warum erfolgreiche Manager überdurchschnittlich oft Langstreckenlauf als Sport betreiben, und ob es einen Zusammenhang zwischen dem beruflichen Erfolg und der Neigung zu langem Laufen gibt.

Das wissenschaftlich betrachtet etwas lächerliche Fazit im Interview: „Sport erhöht langfristig das Einkommen. Nach rund acht bis zwölf Jahren können Freizeitsportler mit bis zu 20 Prozent höheren Einkommen rechnen als Bewegungsmuffel. Alles zusammenfassend kann man nur feststellen: Laufen macht erfolgreich.“

Nun will ich gar nicht so sehr auf den offenbar wenig verstandenen Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation eingehen. Das machen die Kommentatoren unterhalb des Interviews in berechtigtem und ausreichendem Maße.
Viel mehr interessieren mich die Motivation und die Randbedingungen, unter der diese sportlichen Erfolge eingefahren werden.

  1. Man braucht für Langstreckenläufe eine besondere Motivationsfähigkeit. Man muss sich auf ein klar definiertes Ziel hin im wahrsten Sinne des Wortes quälen können. Jeder kennt zumindest vom Hören und Sagen den „Hammer“, der irgendwann nach spätestens 35km auf einen Läufer zukommt. Ich z.B. würde niemals darüber hinauslaufen können, da für mich der Vorteil der Zielerreichung in keinem Verhältnis zur absolut schmerzlich empfundenen Realität stände. Für Menschen, die über den „Hammer“ hinaus erfolgreich sein wollen, muss das Ziel also unfassbar motivierend sein. Dass solche Menschen auch in der Karriere bereit sind, äußerstes und ihre eigenen Grenzen austestendes für die nächste Position zu leisten, erscheint mir plausibel.
  2. Man sollte im Beruf körperlich nicht ausgelastet sein. Jemand, der körperlich hart arbeitet, wird wohl kaum am Abend noch 15 km laufen. Auch hier sind die ‚Meetingmeister‘ des Managements natürlich gegenüber Fertigungsmitarbeitern im klaren Vorteil.
  3. Man sollte vergleichsweise viel Freizeit seinem Hobby opfern können. Ich habe einmal einen Kollegen erlebt, der auf einen Marathon hin trainiert hat. Das waren erkleckliche Stunden pro Woche Lauftraining. Da Manager in der Regel sehr status- aber wenig familienorientiert sind (egal, was sie behaupten), sind sie fähig, diese Zeit neben der beruflichen Anspannung zu investieren. Ein Familienmensch hätte hier deutlich andere Prioritäten, fällt also im Vergleich sowohl bei Karriere als auch beim sportlichen Erfolg gegenüber solchen Managern ab.
  4. Es erscheint mir absolut plausibel, dass Manager laufen als Sport betreiben. Dieser Sport kann an jedem Ort der Welt zu jeder Zeit betrieben werden. Er erfordert kaum Ausrüstung und kann auch klimatisiert in jeder Region der Welt im Fitnessstudio eines Businesshotels ausgeführt werden. Und zur Ausübung braucht es keinerlei Abstimmung mit anderen, da er auch und besonders alleine machbar ist. Es gibt nicht viele andere Sportarten, die unter den Anforderungen des Lebens eines Managers regelmäßig trainierbar sind.

Alles in allem ist Langstreckenlauf eine Luxussportart, die perfekt auf die Bedürfnisse eines durchschnittlichen Managers zugeschnitten ist. Er kann mit ihr beliebige Zielstellungen erreichen – sei es schneller oder weiter gegen sich selber oder sei es im Wettbewerb mit anderen -, muss sich mit niemanden abstimmen und kann sich seiner auch für Alphatiere wenig beherrschbaren Familie entziehen. Und der einzig wirkliche Aufwand ist Zeit – ein Luxus, den sich ein Manager auf Kosten seines sonstigen Privatlebens leisten kann. Für mich also kein Wunder, dass ehrgeizige Egomanen perfekte Langstreckenläufer sind. Und damit sowohl im Beruf als auch im Sport ihre Ziele erreichen.

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