Mit Glück hat das überhaupt nichts zu tun

Heute starten wir mit einem Rätsel.

Welcher sehr erfolgreiche Mensch beantwortet die Frage: „Der Erfolg kommt von selbst? Ist das nicht ’ne Glücksache?“ mit:

„Nein. Mit Glück hat das überhaupt nichts zu tun.“?

Es ist überraschenderweise kein Topmanager vom Kaliber eines T. Middelhoffs, der sich hier als Leistungsträger und Herr des eigenen Erfolgs kapriziert.

Es ist Jonathan Meese in einem sehr interessanten Feature auf arte.tv (18:28) über den Kunstbetrieb und seine Künstler.
Meese ist der breiten Masse vor allem durch drei Eigenschaften bekannt:

Alles in allem also der passende Hofnarr für schaurig schöne Kulturerlebnisse eines reichen und stockkonservativen Kunstestablishments.

Kurz vor dieser Frage erklärt er:
Alleine im Atelier zu arbeiten ist doch schon Belohnung genug. [] Man muss das nur mit totaler Hingabe machen und keine Netzwerke aufbauen. Arbeiten, arbeiten, arbeiten.

Wir kennen solche Aussagen von vielen unserer sogenannten Leistungsträger. Und verstehen den impliziten aber doch laut dröhnenden Vorwurf an den unerfolgreichen Rest der Menschheit: „Ihr könntet das alles auch erreichen. Wenn ihr halt nicht solch ein faules Pack wärt.“

Es ist sehr interessant, dass selbst an sich kritische Künstler unreflektiert einem zutiefst calvinistischen Leistungsdenken verfallen sind, wenn es um ihre eigene Person und ihre Rolle in der Gesellschaft geht. Das zeigt die erschreckende Durchdringung dieses extrem moralisch aufgeladenen Leistungsanspruchs in unserem gesamten Gesellschaftssystem.

Denn er leugnet damit die wichtigen Zufälle in seinem Leben. Z.B. die Empfehlung eines Kunstkollegen an eine der bekannteren Galerien in Berlin, die sich anschließende Möglichkeit, einen Film mit ausstatten zu können, die Kontakte, die sich wiederum daraus ergeben haben. (s. den wikipedia-Eintrag)
Selbstverständlich muss für Erfolg ein marktfähiges Produkt vorhanden sein. Das haben aber zu jeder Zeit viele im Angebot. Der Erfolg stellt sich ein, wenn sich Türen öffnen und man mit seinem Produkt anschließend durch die richtige Tür geht. Und beides, lieber Meese, ist zu einem großen Teil Zufall und eben keine eigene Leistung, wie die vielen gescheiterten aber ebenso begabten Menschen dieser Welt beweisen, denen sich aufgrund Abstammung, Rasse, Geschlecht oder Ausbildung niemals Türen geöffnet haben oder die die falsche Tür zu einer Sackgasse gewählt haben.

Ich bin immer der Meinung gewesen, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist. Aber Glück ist eben nicht Erfolg. Zum erfolgreich sein gehört tatsächlich ein hohes Maß an Unterstützung von außen und damit an Zufall dazu. Dass erfolgreiche Menschen mit der Akzeptanz dieser Tatsache Schwierigkeiten haben, dürfte menschlich sein. Erträglicher macht es ihre Aussagen gegenüber dem unerfolgreichen, aber ebenso hart arbeitenden Teil der Menschheit nicht.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Beispiel, Presse abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s