Verantwortung

Wer in den letzten Tagen die Wirtschaftspresse gelesen hat, fand wieder einmal ein Unternehmen auf den vorderen Rängen der kritischen Veröffentlichungen: Die Deutsche Bank.
Neben den internen Umstrukturierungsdiskussionen waren es vor allem die nicht enden wollenden rechtlichen Händel aufgrund von Manipulationsvorwürfen und Steuerbetrug und die Falschaussagevorwürfe aus den Kirchprozessen, die dieses Unternehmen in sehr ungünstiges Licht rückten.

Verfolgte man in den letzten Monaten diese Diskussionen, musste man sich tatsächlich die Frage stellen, mit was für einem Unternehmen man es hier zu tun hat. Welche Werte werden hier gelebt? Und warum sollte sich etwas ändern, wenn doch die Führungskräfte die selben bleiben, egal wie viel Unternehmensvermögen in Strafzahlungen fließen muss und wie viele Gerichtsverfahren die obere Führungsriege neben ihrer eigentlichen Aufgabe zu bewältigen hat.

Diese Fragen müssen sich natürlich vor allem die Aktionäre stellen, deren Geld in einem Managementsystem vernichtet wird, das von außen betrachtet bei etwas bösem Willen Vergleiche mit organisierter Kriminalität zulässig machen könnte. Was mich aber persönlich als ehemalige Führungskraft ärgert, ist das öffentliche Beispiel der gelebten Führungsverantwortungslosigkeit in diesem Unternehmen.

Und damit meine ich nicht die tatsächlich sicherlich kaum mögliche rechtliche Haftbarmachung von Personen wie A. Jain, der der Leiter des Investmentbankings war, als die meisten der rechtlich zweifelhaften Entscheidungen gefallen sind.

Was ich meine ist das sichtlich komplette Versagen dieser Führungskräfte was den Aufbau eines Managementsystems angeht, das – auf Basis von vorgelebten Werten – über ausreichende ‚Checks and balances‘ eine solche Häufung von krimineller Gier unmöglich machen sollte.
In meinem letzten Unternehmen gab es für diese Führungsverantwortung einen Begriff: ‚Management root cause‚. Bei jedem Problem wurde gefragt, ob das Management alles getan hat, um das Auftreten der Abweichung zu verhindern. Ich würde anzweifeln, dass das Management der Deutschen Bank hier ausreichend gehandelt hat (und da kein Führungswechsel stattfindet: handelt).

Und genau deswegen frage ich mich, wie es sein kann, dass diesem Management – und damit meine ich in letzter Konsequenz auch und vor allem den Aufsichtsrat – weiter das Vertrauen ausgesprochen wird. Diese Manager geben schließlich das Vorbild für alle anderen Führungskräfte auch anderer Unternehmen ab, dass es eben nicht darauf ankommt, das richtige zu tun, sondern dass es reicht, sich rechtlich nicht erwischen zu lassen, indem man offiziell nie etwas wusste. Ein fatales, meiner Meinung nach extrem ärgerliches Vorbild, das uns hier vorgelebt wird.

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