Aufgepumpt – Ein modernes Menschenbild

Angestupst durch den von mir sehr verehrten Comic-Zeichner Scott Adams mit diesem Streifen stolperte ich über den neuen Management-Begriff „super pumpedness“.

Woher kommt er?
Offenbar hat ihn das mittlerweile mit gut 40 Mrd. Dollar bewertete „startup“ Uber als eines seiner Kompetenzziele für Mitarbeiter gewählt. (siehe)

Was bedeutet der Begriff laut diesem Link:
Super Pumpedness — Bring energy and infectious enthusiasm to everything you do. For Managers: Motivate and inspire team members to perform their best, and stretch themselves professionally.

Mache alles mit Energie und ansteckender Begeisterung. Und für Führungskräfte: Motiviere und inspiriere deine Mitarbeiter, so dass sie ihr bestes geben und über sich hinausgehen.

Ein weiteres Kompetenzziel erscheint mir ebenso wie dem Autor des Links und Scott Adams bemerkenswert: Die „fierceness“ oder „Wildheit“.

Fierceness — Be fierce. Do whatever it takes to make Uber a success, even when it’s hard and takes some risk to get there.

Sei wild. Unternehme alles, was für den Erfolg von Uber notwendig ist, auch wenn der Weg schwer ist und es die Übernahme von Risiken bedeutet.

Normalerweise würde ich jedem Berufseinsteiger vor einer Bewerbung bei einem Unternehmen mit diesen Werten nur mitgeben, darüber nachzudenken, ob das wirklich Werte sein können, nach denen ein ethisch korrekt handelndes Unternehmen streben sollte.

Was mich allerdings in den letzten Tagen darüber hinaus beschäftigt hat, war ein Artikel über den Terrorismus in Paris, in dem der Autor – leider finde ich den Link nicht mehr – bei der Beschreibung des Videos der Tötung des wehrlosen muslimischen Polizisten Ahmed Merabet von „durch den Anschlag auf Charlie Hebdo aufgepumpten Terroristen“ schrieb. Ein Bild, das auch mir bei der ersten Betrachtung des schrecklichen Filmes sofort auffiel: Ja, der Mörder war in dieser Situation sichtbar unter Adrenalin, so wie er tänzelte, so wie er im Vorbeilaufen den widerlichen Mord beging.

Und mit diesen beiden Eindrücken wage ich einen nicht einfachen Vergleich.
Basiert nicht der aktuelle islamische Terror auf einem ähnlich maskulinen Menschenbild wie Hedgefonds und „the winner takes it all“-Gründungen wie Uber?
Ist nicht die Teilnahme an einem solchen Unternehmen vielleicht für gut ausgebildete Mittel- und Oberschichtmänner das, was für Unterschichtmänner aufgrund fehlender anderer Perspektiven der Extremismus (sei das Ziel Faschismus, Islamismus o.ä.) ist?
Und brauchen wir uns vielleicht überhaupt nicht zu wundern, warum IS ähnlich attraktiv für gesellschaftlich verlorene männliche Jugendliche ist wie Uber für die junge IT-Elite: Weil beide es erlauben, wild und Testosteron getrieben alle Regeln in Frage stellen zu dürfen auf dem Weg zu einem scheinbar lohnenswerten Ziel?

Ist nicht der Terror aus unserer Mitte vielleicht deshalb so erschreckend, weil wir ahnen, dass er auf dem selben neoliberalen Menschenbild fußt wie die hoch erfolgreichen und deshalb so bewunderten disruptiven Startups, die Hedgefonds und Vertriebsorganisationen? Er uns also insgeheim überhaupt nicht so fremd ist, wie wir uns durch den Verweis auf den Islam mit seiner fehlenden Aufklärung vormachen wollen?

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