Angst als Ratgeber

In den letzten Wochen war ein Begriff vergleichsweise häufig in der Presse zu finden: Die Angst.

  • Die Angst der Mittelklasse vor dem Abstieg.
  • Die Angst vor der Islamisierung des Abendlandes.
  • Die Angst vor Terror.
  • Die Angst vor dem Krieg im Osten.
  • Die Angst vor denjenigen, die Angst vor der Islamisierung des Abendlandes haben.
  • Die Angst vor dem erneuten Aufflackern der Wirtschaftskrise.
  • Die Angst vor dem Auseinanderbrechen des EUROs.

Was alle diese Ängste verbindet: Sie sind nicht konkret. Sie verweisen auf Situationen, die alle derzeit relativ unwahrscheinlich sind. Und deren Auswirkung auf das persönliche Leben nicht einmal zwangsläufig negativ ist, da es viel zu viele mögliche Ereignispfade gibt.

Warum aber ist es kritisch, in Angst zu sein?
Menschen in Angst reagieren anders als angstfreie Menschen. Sie sind weniger optimistisch, sie sind leichter von außen steuerbar, sie sind unfrei in ihren Entscheidungen.

Und weil das so ist, fällen oder akzeptieren sie Entscheidungen, die für sie selber nicht sinnvoll sind. Sie schaffen Bürger- und Freiheitsrechte ab, ohne einen Zugewinn an Sicherheit zu erhalten. Sie grenzen Menschen aus, ohne tatsächliche Verbesserung der Situation. Sie lassen sich zu Fehlkäufen überreden, die ihre persönliche Vermögenssituation eher verschlechtert als verbessert.

Warum schreibe ich hier an dieser Stelle über Angst?
Herrscher haben im gesamten Verlauf der Geschichte immer wieder durch Aufbauschen unkonkreter Ängste Massen für ihre sehr persönlichen und häufig finsteren Zwecke mobilisiert.
Wer die Geschichte betrachtet: In den seltensten Fällen war das Ergebnis solcher Handlungen positiv.

Eine Führungskraft, die also meint, über die Erweckung von Angst in der eigenen Mannschaft auch nur mittelfristig erfolgreich zu sein, sägt am Baum des Erfolgs des Unternehmens. Kreativität, Mut, Einsatzfreude werde ich durch positiven Wettbewerb mit den besten erreichen und nicht durch die Einschüchterung der eigenen Mannschaft, die nur noch ans Überleben in einem Haifischbecken denkt, das ich als Führungskraft selber geschaffen habe.

Und deshalb wundern mich Unternehmen, die es zulassen, dass über Jahre Standorte offiziell als bedroht gelten. Die psychopathische Führungskräfte auf ihre Mannschaft loslassen, deren offenbar einzige Freude die Verunsicherung des eigenen Personals ist. Die meinen, dass es ein gesunder Wettbewerb ist, wenn Standorte gegeneinander konkurrieren und der Verlierer mit allen Konsequenzen für das Personal geschlossen wird.

Das alles sind für mich Zeichen schlechter Führung, deren Fokus lenkbare Mitarbeiter sind, denen man vielleicht die Früchte jeglicher Produktivitätssteigerung leicht nehmen kann. Diese Führung wird aber den Zugriff zur wichtigsten Ressource des Unternehmens für die Zukunft verlieren: Zur Kreativität ihrer Mitarbeiter.

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