Konformität

Auf faz.net fand ich einen spannenden Artikel über Konformität in Unternehmen, den ich hier teilen möchte.
Der Autor beschreibt die Wirkung eines Wertesystems einer Organisation auf den Einzelnen und die unterschiedliche Reaktion des Einzelnen darauf – abhängig von der Persönlichkeit.

Dabei unterscheidet er mehrere interessante Begriffe:

  • Einstellungskonformität: Die tatsächliche Übernahme von gemeinsamen Werten wie Leistungsbereitschaft, moralischem Handeln etc. in das eigene Wertesystem.
  • Anpassungskonformität: Die Akzeptanz des Lebens der Werte als Notwendigkeit, aber keine Übernahme in das eigene Wertesystem.

Wie schwierig das zweite langfristig zu meistern sein dürfte, muss jedem klar sein, der sich in seinem Leben schon einmal in einem Umfeld bewegt hat, dessen Werte er nicht vollständig geteilt hat. Viele Männer dürften diese Erfahrung in der Bundeswehr gemacht haben. Aber auch der Eintritt in ein neues Unternehmen ist in diesem Zusammenhang ein Risiko, das nicht zu unterschätzen ist. Denn wer kann aus den Veröffentlichungen des Unternehmens und den wenigen Gesprächen im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens heraus erkennen, welche Werte wirklich in dem Unternehmen gelebt werden – abseits des Marketingblablas der Internetseiten.

Zwei weitere Begriffe, die der Autor nennt, dienen der Persönlichkeitsbeschreibung:
D. Riesman unterscheidet

  • innengeleitete Menschen: Menschen, die ein fest verankertes Wertesystem haben. Und die genau deshalb häufig in Organisationen anecken, da sie Differenzen zwischen ihren eigenen Werten und den Werten der Organisation offen ansprechen.
  • außengeleitete Menschen: Menschen, die vor allem auf Anerkennung anderer abzielen, die also die Werte der Organisation übernehmen, solange es für sie dafür Anerkennung gibt.

Besonders spannend fand ich folgende, etwas deprimierende Aussage, die natürlich vor allem für innengeleitete Menschen gilt: „Sie haben das Glück, dass sie die Berufstätigkeit relativ unbeschadet überstehen können. Wenn sie es ertragen, auf dem Abstellgleis im Unternehmen zu sitzen.“

Wenn ich mein eigenes Erleben dagegen spiegele, finde ich vieles in den Aussagen wieder. Ja, natürlich machen vor allem die in großen Organisationen Karriere, die „lenkig“ sind, die kein Risiko darstellen. Und das sind diejenigen, auf die man sich verlassen kann, dass sie auch Dinge machen, die vielleicht nicht zu hundert Prozent zum moralisch aufrechten Tun zählen würden. Und aus diesem Grund sind außengeleitete Menschen die bequemeren Mitarbeiter. Ihnen reicht die jährliche Prämie und das größere Auto als Zeichen der Anerkennung. Sie suchen eben nicht ständig Sinn. Und werden im schlimmsten Falle zum ‚whistleblower‘, wenn sie ihr Wertesystem zu sehr verbiegen müssten, um weiter erfolgreich zu sein.

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