Vorschläge für mehr Spiel in Unternehmen

Einen kurzen Moment war ich verführt, die Ankündigung dieser Vorschlagsliste vor ein paar Tagen mit nur einem Link auf einen aktuellen Zeitungsbericht zu erfüllen. Leider ist der Artikel aber (noch) nicht online, deshalb hier nur kurz der Verweis auf den Wirtschaftsteil der aktuellen „Die Zeit“. Hier wird anhand von Netflix ein Unternehmen beschrieben, das bzgl. spielerischer Umgebung sehr viel in meinen Augen richtig macht.

Nun zu meinen Vorschlägen, die ich sicher noch weiter ausbauen werde:

  • Vertrauen schenken und Verantwortung delegieren. Menschen wachsen mit den Aufgaben. Wichtig ist, ihnen weniger Bevormundung als Unterstützung zu geben. Führungskräfte sollten weniger als Entscheider sondern mehr als Mentoren und Ratgeber agieren. Der beste, mir bekannte Spruch einer Führungskraft hierzu: „Ich hätte das ja so nicht gemacht. Aber Ihr Erfolg gibt Ihnen recht.“ Nur so lernt die Organisation dazu. Das ganze steht und fällt mit der Auswahl und der Ausbildung der Führungskräfte. Eine erstes Hilfsmittel wäre z.B. eine Messgröße der gefällten Entscheidungen einer Führungskraft. Je höher diese Messgröße wäre, desto stärker entmündigt diese Führungskraft ihre rangniedrigeren Mitarbeiter.
  • Schaffung einer positiven Fehlerkultur. Dinge auszuprobieren kann zum Scheitern führen. Es kann aber auch über Innovation einen Entwicklungsschub bringen. Wer regelmäßig also Schuldige sucht, wird langfristig weniger erfolgreich sein. Wenn von 10 Versuchen einer Erfolg hat, kann dieser die 9 Misserfolge mehr als wett machen. Hier könnte man zum Beispiel die Führungskräfte motivieren, Rechenschaft über das abzulegen, was aus Fehlern gelernt wurde. Wer geizig mit der Rückmeldung ist, sieht vermutlich Fehler nicht als „golden nugget“. Und wird Fehlerunterdrückung praktizieren.
  • Freiräume schenken. Freiräume in Zeit, in Geld, in Kapazitäten. Warum nicht jedem Mitarbeiter ein Prozent seines Gehaltes zur freien Verfügung geben, um sein Arbeitsumfeld zu optimieren. Warum müssen selbst für kleine Verbesserungen Vorgesetzte um Erlaubnis gefragt und komplizierte Workflowsysteme bedient werden? Wie viele Ideen werden nicht umgesetzt, weil man sich nicht traut zu fragen, weil der Genehmigungsaufwand zu hoch ist oder weil der Gefragte keinen Sinn darin sieht?
  • Besetzungsentscheidungen flexibilisieren. Also nicht immer den perfekten Kandidaten mit 10 Jahren Berufserfahrung in eben dem ausgeschriebenen Gebiet suchen. Eine gesunde Leistungsfähigkeit, Interesse an der Aufgabe und allgemeine Methodenkompetenzen reichen häufig alle mal. Und vielleicht ergeben sich sogar durch Exoten interessante neue Ansätze für die jeweilige Aufgabe. Hier wäre eine Messgröße der Anzahl der Exoten bei Einstellungen eine wichtige Kennziffer für gelungene Führung.
  • Verzeihen können. Ein wichtiger, weiterer Aspekt der Fehlerkultur. Wer nachträgt, verschenkt Potential. Ich habe in meinem beruflichen Leben Dokumentationen in Personalakten gesehen, die mich mehr an dem jeweiligen Beurteiler haben zweifeln lassen als an der beurteilten Person. Es mag sein, dass Fehler zu einer Bewährung führen müssen. Aber das sollte einen rationalen Vorgang darstellen und von keinen emotionalen Verletzungen getrieben sein. Ich habe manchmal das Gefühl, dass in Unternehmen das Vergehen einer Majestätsbeleidigung existiert. Mit allen Konsequenzen für die abgeurteilte Person, dokumentiert in dicken Akten. Ein Unternehmen, dessen Führung so agiert, wird niemals spielen lernen.
  • Abweichende Meinungen zulassen und fördern. Wer intern keine Diskussionen oder abweichenden Meinungen zulässt, wird Kreativität zunichte machen. Ich finde es immer wieder erschreckend, wenn teure Berater „Kreativitätsmethoden“ in Unternehmen einführen müssen. Das zeigt mir, wie wenig lebendig offenbar der Austausch in diesem Unternehmen ist.
  • Austausch fördern. Damit meine ich weniger den inhaltlichen Austausch als vielleicht den Aufbau eines internen Praktikumssystem. Fremde Abteilungen tauschen für eine bestimmte Zeit interessierte Mitarbeiter aus. Warum soll ein Einkäufer nicht mal im Vertrieb tätig sein? Und der Produktionsmitarbeiter in der Logistik? Wie kann ich meine wirklichen Stärken kennenlernen, wenn ich mich nicht in für mich erst einmal schwer vorstellbaren Bereichen ausprobieren darf?
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Beispiel abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s