Die Umgebung

Wenn wir uns mit dem Thema „Gamifizierung“ auseinandersetzen, blicken wir ja in der Regel erst einmal auf die berühmten „MMORPG“s. Und wundern uns, warum wir es nicht hinbekommen, ein gleichermaßen begeisterndes Umfeld in unseren Unternehmungen zu schaffen.

Ein wichtiger Aspekt ist hierbei das Fehlen einer spielerischen Umgebung. Was meine ich mit spielerischer Umgebung?

Eine Umgebung, die

  • mir ermöglicht, mich in verschiedenen Rollen auszuprobieren. Und anhand der Reaktion meiner Mitspieler meine Wirkung zu verstehen und mich weiterzuentwickeln.
    Beispiel: In Rollenspielen kann der Spieler in jeder Situation neu entscheiden, ob er feige, aggressiv, dreist oder vorsichtig agieren möchte. Scheitert er, kann er das Spiel häufig ein weiteres Mal starten und wieder von vorne anfangen. Übertragen auf Unternehmen: Natürlich ist es mir möglich, in verschiedenen unternehmerischen Situationen unterschiedlich zu reagieren. Allerdings: Verbrenne ich dabei einen persönlichen Kontakt, kann ich eben nur sehr bedingt nochmals von vorne beginnen. Ich habe mir ggf. einen Feind fürs Leben geschaffen, der mein weiteres Fortkommen massiv beeinflusst. Ein „reset“ ist hier bestenfalls durch einen Wechsel des Unternehmens möglich. Eine Wiederholung der gleichen Situation zum Lernen wird nur selten möglich sein.
  • kein untragbares Risiko mit sich bringt. Das Risiko beim Spiel ist in der Regel auf das Spiel beschränkt. Ist das Spiel zu Ende, hat sich nichts in meinem Leben geändert (der Verlust von Lebenszeit, von Wetteinsätzen oder hohe Zugangsgebühren mal nicht betrachtet). Also kann ich in dem Spiel beliebige spielerische Risiken eingehen.
    Beispiel: Im Spiel kann ich mich todesmutig in ein Gemetzel stürzen, selbst wenn ich zweifele, dass das die beste Strategie für einen glücklichen Ausgang ist. Wenn das Spiel verloren geht (ich also dabei spielerisch sterbe), habe ich bestenfalls die Zeit zum Entwickeln meines Charakters verschwendet. In Unternehmen riskiere ich meine Position, meine gesamte Karriere und viel schlimmer – meine wirtschaftliche Absicherung -, wenn ich in unübersichtlichen Situationen falsch reagiere. Hier hat das unternehmerische Umfeld wahrlich Einfluss auf mein gesamtes Leben.
  • auf klaren, transparenten Regeln basiert. In Spielen weiß ich zumeist, worauf ich mich einlasse, was meine Möglichkeiten sind und wie mir Gegner begegnen. Dabei mag es zunehmend schwierigere Gegner (ggf. auch zunehmend kompliziertere Regeln) geben. Nichts desto trotz werde ich relativ schnell die Ursache/Wirkungsbeziehungen durchschauen.
    Beispiel: Ich ahne, dass ich in „dunklen“ Ecken der Spielewelt herausfordernde Begegnungen haben werde. Die Gegner mögen mehr Möglichkeiten haben als ich, meine Waffen mögen untauglich sein. Aber das Spiel wird trotzdem die Kämpfe nach gleichen Regeln ausfechten. Das interessante ist: In Unternehmen gibt es meist ebenfalls ein wunderbar ausformuliertes Regelwerk. An das man sich hält – oder eben nicht. Und dessen Regeln sich durchaus während der „Spielzeit“ ändern können. Dinge, die für Meier adäquat sind (z.B. regelmäßig mit Lieferanten essen zu gehen) können für Müller zum Ende der Karriere führen. Schulze kann ein Psychopath vor dem Herrn sein und trotzdem Karriere machen. Weber kann eine nach dem geltenden Leitbild perfekte Führungskraft sein, aber trotzdem gezwungen sein, das Unternehmen zu verlassen, da er sich ohne inhaltliche Fehler mächtige Feinde gemacht hat.
  • mich nicht vereinnahmt.
    Beispiel: Ein Spiel unterhält mich. Und wenn es vorbei ist oder mich langweilt, dann verlasse ich es. Ein Unternehmen ernährt mich. Wie kann ich es dann verlassen? Und vor allem: Was ändert sich für mich am „Spiel“, wenn ich nur das Unternehmen wechsle? Das wäre dann genauso, wie wenn ich von einem Rollenspiel zum nächsten wechsle. Gleiches Prinzip, leicht andere Regeln. Aber ansonsten identisch.

Es mag noch viele weitere Kriterien geben, ich denke allerdings, dass das Grundproblem in Unternehmen verstanden ist.

Was kann ein Unternehmen hier also leisten? Vorschläge dazu werde ich im nächsten Text sammeln.

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