Menschenbilder

Ich möchte auf einen sehr spannenden Vortrag von Gunter Dueck hinweisen, den dieser auf der Re:publica 2013 gehalten hat.

In seinem Vortrag beschreibt er unterschiedliche Menschenbilder und ihre Wirkung auf gesellschaftliche Diskurse. Er macht sich dafür stark, sensibel und empathisch mit Menschen umzugehen, die einen anderen sozialen Hintergrund haben als man selber.

Er definiert dabei fünf verschiedene soziale Hintergründe:

  • Autoritätsorientierung: Patriarchale Herrschaft
  • Pflicht-/Schuldorientierung: Führung aufgrund von Verdiensten
  • Erfolgsorientierung: „The winner takes it all“, das Ergebnis zählt, nicht der Weg
  • Sinnorientierung: Gemeinschaft steht im Zentrum, Minimierung von Unterschieden
  • Unabhängigkeitsorientierung: Freiheit in Verantwortung

Aus seiner Sicht scheitert die Diskussion notwendiger gesellschaftlicher Veränderungen häufig am Unverständnis des jeweiligen Hintergrunds des Diskussionspartners. Er nennt eine solche Diskussion ethnozentrisch. Gerade in Umbrüchen, wie wir sie derzeit u.a. beim Übergang in die Wissensgesellschaft erleben, ist es für die Erarbeitung eines Kompromisses wichtig zu verstehen, dass es andere Sichtweisen als die eigene gibt. Und sich zunächst auf einer abstrakteren Ebene über die gesellschaftlichen Ziele und Bedürfnisse zu verständigen.

Warum verweise ich in meinem Blog über Motivierung in Unternehmen auf diesen Vortrag:
Er hat mir klar gemacht, dass es neben der Persönlichkeit des einzelnen einen Einfluss der sozialen Herkunft auf die Möglichkeiten der Motivierung in Unternehmen gibt.

Jede Führungskraft wird das schon erlebt haben: Man übernimmt ein Team und wundert sich, dass eigentlich erprobte Führungsmethoden zunächst nicht funktionieren. Geht man dem auf den Grund, wird häufig eine vorherige Führungskraft prägend auf das Team eingewirkt haben. Wer selber zum Beispiel einen eher partizipativen Führungsstil pflegt, wird als Nachfolger einer autoritären Führungskraft die Mitarbeiter zunächst wieder im Sinne einer selbstständigen Arbeitsweise mündig machen dürfen.

Ebenso ist der Umbruch einer Firmenkultur von einer eher pflicht-/schuldorientierten Arbeitsweise zu einer „hippen“ startup-Kultur, die – je nach Ausprägung – von den letzten drei Hintergründen (Erfolg, Sinn oder Freiheit) geprägt ist, dramatisch für viele Mitarbeiter auf allen Hierarchieebenen. Besonders ärgerlich ist dabei, wenn das Topmanagement – selber in der alten Kultur verhaftet – per autoritärer Anweisung die neue Arbeitsweise anordnet. Was meines Erachtens gerade in so manchem deutschen Konzern an der Tagesordnung ist. Da helfen dann auch keine Werkzeuge der „Gamifizierung“ mehr …

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