Wirkung von Belohnungen

In einer Diskussion der letzten Tage kam die Fragestellung auf, in wieweit z.B. Manager durch die ihnen im Rahmen ihrer Funktion bereitgestellten ‚features‚ und ‚badges‚ motiviert sind oder wieviel Spaß die Rolle der Führungskraft mit sich bringt.

Etwas wissenschaftlicher formuliert: Sind Manager als Achiever – also statusorientierte Menschen – vor allem extrinsisch motiviert oder gibt es auch einen intrinsischen Anteil an der Ausübung der Tätigkeit?

Diese Frage ist durchaus relevant, da die Definition von Extrinsik ja unter anderem die „instrumentelle Motivation“ beinhaltet, also die Motivation aus der Aussicht auf eine Belohnung heraus. Und nach allgemeiner Meinung ist z.B. ein Dienstwagen oder ein hohes Gehalt eine solche Belohnung.

Mir erscheint es allerdings wenig wahrscheinlich, dass ein Manager nur aus dieser Motivation heraus langfristig erfolgreich sein kann.

Zum einen gibt es die aus eigener Erfahrung sehr zutreffende Erkenntnis von Maslow, dass gehaltsgleiche Belohnungen – nichts anderes ist auch ein Dienstwagen – bestenfalls nur kurzfristig motivieren. Denn es tritt ein schneller motivationaler Abnutzungseffekt über die rasche Gewöhnung an das neue Fahrzeug oder das hohe Gehalt ein.

Zum anderen frage ich mich, ob ein tätiger Mensch ein aktives Leben allein aufgrund von in Aussicht gestellten Belohnungen führen kann. Dies würde ja im Grunde sowohl für den Socializer als auch für den Achiever zutreffen, die beide in letzter Konsequenz motivational von der Wirkung auf andere abhängen, also von Belohnungen in Form von sozialer Anerkennung oder Statusgewinn.

Das führt mich zu der These, dass es in den Tätigkeiten von z.B. Managern belohnungsrelevante Teile geben muss, die eher zur internen Prozessmotivation oder zum internen Selbstverständnis (Intrinsik) gehören.

Was aber könnte das sein?

In Interviews mit Topmanagern fällt immer wieder bei der Infragestellung der exorbitanten Manager-Gehälter auf, dass Manager ihrer Behauptung nach zum Teil gar nicht wissen, wieviel Geld sie bekommen oder wieviel Vermögen sie besitzen. Sie schildern ihre Quelle der Motivation als die Nutzung von besonderen Gestaltungsfreiräumen, die Möglichkeiten der Einflussnahme und das Tragen von hoher Verantwortung. Dies scheint mir tatsächlich nicht unplausibel. Diese Menschen haben Spaß an der Machtausübung. Machtausübung ist im Unternehmen ihre Rolle und der Prozess, dessen Stellglieder sie bedienen. Für sie ist das hohe Gehalt ein Hygienefaktor – sie messen sich schließlich mit der Peergroup der anderen Topmanager – aber eben keine Quelle für Motivation. Viel eher ist es die Möglichkeit, mehrere 100.000 Menschen zu beeinflussen, Firmenteile mit Milliardenumsätzen kaufen und verkaufen zu können und in elitären Zirkeln zu verkehren.

Das heißt aber, dass es sehr gefährlich ist, z.B. aus der einfachen Existenz von Belohnungsmodellen auf eine hauptsächlich extrinsische Motivation des Belohnten zu schließen. Ein Belohnungssystem kann einfach eine erwartete Randbedingung einer Funktion sein, deren Fehlen im Vergleich mit der Peergroup als ungerecht und deshalb demotivierend empfunden würde, deren Existenz aber nicht weiter motivierend ist.

Und ebenso kann z.B. Statusnutzung und -gewinn durchaus zu einer prozessualen Aufgabe gehören, die aus sicher heraus zur Zufriedenheit einer Person beiträgt ohne einen besonderen extrinsischen Einfluss auf sie zu haben.

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