Epic Meaning und Verantwortung

Wir haben vor einiger Zeit gelernt, dass ein ‚epic meaning‚ ein mächtiges Werkzeug zur Motivierung von Menschen ist. Da wir momentan in vielen Regionen der Welt unsägliche Dinge erleben, die mit einem der wirkmächtigsten ‚epic meanings‚ – der Religion – gerechtfertigt werden, möchte ich heute über die Verantwortung in Bezug auf die Formulierung eines ‚epic meanings‚ reflektieren.

Gehen wir davon aus, wir wären ein Topmanager eines Unternehmens, der möchte, dass sein Unternehmen alles wirtschaftlich sinnvolle unternimmt, das zur Verbesserung des Lebens dient.
Da er den Eindruck hat, dass das nicht jeder in seinem Unternehmen verstanden hat, nimmt er sich das Wochenende Zeit, um verschiedene Formulierungen einer Unternehmensvision zu erarbeiten.

Folgende Vorschläge kamen heraus:

  • Wir verbessern das Leben.
  • Wir sind das Unternehmen, das das Leben am stärksten verbessert.
  • Wir sind das wirtschaftlich erfolgreichste Unternehmen, das das Leben verbessert.
  • Wir sind das Unternehmen, das das Leben verbessert.

Mal abgesehen davon, dass er – genauso wenig wie ich – ein Marketingfachmann ist, diese Sätze also nicht wirklich zielführend im Marketingsinne sind, kann doch aufgrund der Verschiedenartigkeit der Sätze eine unterschiedliche Wirkung auf die Mitarbeiter abgeleitet werden.

  • Satz 1: Was wird passieren? Im positiven: Jede Tätigkeit mit Außenwirkung im Unternehmen wird im besten Falle daraufhin untersucht werden, ob sie das Leben tatsächlich verbessert. Im negativen: Auch Aktivitäten, die das Leben verbessern, aber nicht wirtschaftlich sind, würden hier durchgeführt werden. Fazit: Das Unternehmen wäre „gut“, aber nicht zwangsläufig erfolgreich.
  • Satz 2: Im positiven: Die Tätigkeiten des Unternehmens würde fokussiert auf hohe Lebensverbesserung. Im Negativen: Es wird eine Konkurrenzsituation mit allen anderen lebensverbessernden Unternehmen herbeigeführt. Das ermöglicht, dass auch das Behindern von gleichermaßen wirkmächtigen Unternehmen eine sinnvolle Tätigkeit ist. Das heißt: Das Unternehmen wird zwar „gut“ sein, aber der gesamtgesellschaftliche mögliche Nutzen an Lebensverbesserung kann durch dieses Unternehmen reduziert werden. Darüber hinaus kann das Unternehmen wirtschaftlich erfolglos agieren.
  • Satz 3: Im positiven: Ein klarer Fokus auf dem wirtschaftlichen Erfolg. Im Negativen: Auch hier kann eine sinnvolle Strategie die (Zer-)Störung von Konkurrenzunternehmen sein. Fazit: Das Unternehmen wird „gut“ und erfolgreich sein, aber behindernd im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Optimierung.
  • Satz 4: Im positiven: Extreme Fokussierung auf das Thema Lebensverbesserung. Im Negativen: Dieser Satz kann hoch aggressive Wirkung entfalten. Wenn das Unternehmen das einzige wirkliche Unternehmen sein soll, das das Leben verbessert, müssen alle anderen, ähnlichen Unternehmen geschluckt oder vernichtet werden. Fazit: Das Unternehmen ist vom Unternehmenszweck „gut“ aber hoch aggressiv bis zur Zerstörung gegen Wettbewerber.

Was meine ich damit: ‚Epic meanings“ werden häufig in Abgrenzung und relativ zur Umwelt formuliert oder ruhen auf einem Fundament von relativ formulierten Zusatzzielen. Dies führt zu Konkurrenzsituationen, die durch ein klares Wertesystem gesteuert werden müssen. Gibt es diesen Wertekanon nicht oder wird er nicht ausreichend überwacht und Verletzungen dessen sanktioniert, werden in jedem Unternehmen diejenigen, die „werteflexibel“ sind, Maßnahmen umsetzen versuchen, die zumindest zweifelhaft sind.

Beispiele im Unternehmerischen:

  • Bestechung von Amtsträgern zur Auftragsakquise bei eigentlich „guten“ Erzeugnissen.
  • Verletzung von Arbeitssicherheitsbestimmungen bei der Herstellung von „guten“ Erzeugnissen.
  • Verletzung von Umweltauflagen etc.

Je kompetitiver die Vision und die Ziele formuliert sind, desto eher werden Menschen davon angezogen werden, die bereit sind, auch fragwürdige Maßnahmen zur Zielerreichung umzusetzen.

Um zu unserem Ausgangspunkt – der Wirkung der Religion – zurückzukommen: Ich würde mir sehr wünschen, wenn die Religionen ein einziges, absolutes Gesetz formulieren würden (oder besser: Formuliert hätten): „Seid lieb!“ (das ist natürlich ein Zitat aus dem sehr lesenswerten Buch „Gott bewahre“ von John Niven). Die unsägliche, sinnlose und leider immer wieder tödliche Diskussion, wer die bessere oder gar alleingültige Religion hätte, würde uns so erspart werden. Leider taucht aber in vielen Religionen der abgrenzende und abwertende Begriff des Andersgläubigen oder des Apostaten auf. Das heißt: Der ‚epic meaning‚ ist in Teilen relativ formuliert: Wenige Auserwählte gegenüber vielen Abweichlern. Und damit kann eine Tür geöffnet werden, die besser zu bliebe …

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