Big data – das perfekte Management

In der Zeit vom 07.08.2014 beschreibt das Dossier ein Szenario für die Weiterentwicklung der Menschheit als „Die Vereinigten Staaten von Google“. Firmen wie Google Inc. arbeiten – ideologisch getrieben von einem Geist der absoluten Transparenz als Voraussetzung zur Lösung aller Probleme – an der Abschaffung des menschlichen Managements auf allen Ebenen der weltweiten Organisation der Menschheit. Ersetzen wollen diese Firmen die Führungskräfte durch Technologie. Aus „big data“ heraus, also dem sammeln und analysieren größter Datenmengen, sollen unbestechlich die richtigen Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden. Das Heilsversprechen: Kein menschelnder Einfluss über Nasenfaktor, Korruption, Gier, Wagemut oder Feigheit wird in Zukunft die Umsetzung einer notwendigen Lösung verhindern können.

Was aber wäre das für ein Management?

  • Es wäre eine fordernde Führung mit einem schier unstillbaren Durst nach Daten, Daten, Daten. Nie wären ausreichend Daten vorhanden, immer könnte das zugrundeliegende Modell durch ein wenig mehr Aufwand in der Datenerhebung perfektioniert werden.
  • Es wäre ein manipulatives Management. Es würde dafür sorgen, dass alles notwendige getan wird, um die beteiligten oder betroffenen Menschen motiviert bei Laune zu halten. Optimale Gamifizierung wäre hier das Mittel der Wahl. Aber jedem müsste klar sein, dass das nur ein Mittel zum Zweck ist.
  • Es wäre eine selbstüberzeugte Führung. Ideologisch vergöttert als Allheilmittel gegen alle menschlichen Schwächen und ausgestattet mit dem höchsten Lernwillen und einem alles menschliche sprengenden Erfahrungsschatz kann kein Mensch ihr das Wasser reichen. Welcher Einfluss sollte dann noch einem Menschen zugestanden werden?
  • Es würde pragmatische Kälte herrschen. Moral und Mitgefühl wären Kennzahlen, die unter vielen anderen zur Steuerung dienen würden. Sicher wären es wichtige Kennzahlen. Aber weniger aus innerer Überzeugung als aus angelernter Erziehung und dem Wissen über Ursache-/Wirkungsbeziehungen.

Wenn wir uns dieses Bild der Führung vor Augen halten, dann fällt uns auf, dass es diese Art der Führung bereits gibt:
Eine paranoide, selbstverliebte Führungskraft, die im menschlichen Umfeld charmant und überzeugend ist – solange es dem persönlichen inneren Ziel dient -, aber jederzeit fähig ist, gnadenlos zu exekutieren: Ja, das ist er, der perfekte Manager der „dunklen Triade“ – so perfekt, wie er uns unter den vielen Narzissten, Psychopathen und Machiavellisten des Managements noch nie vorher begegnet ist.

Und weil das so ist: Ich bin sicher, dass es so kommen wird. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen. Aber irgendwann werden wir ihn über uns haben: Den auf diese Art perfektionierten Manager.

PS: Was ich nicht verstehe: Wenn Google tatsächlich von diesem Ansatz überzeugt ist: Warum entlassen sie nicht ihre hochbezahlten Manager und nutzen ihre Algorithmen? Oder ist es nicht doch eher wie in jeder Ideologie: Für den Chefideologen gelten die allgemeinen Regeln und Normen nicht, eben weil er der „Chefideologe“ ist?

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