Werkzeuge: Features

Was sind ‚features‘?
In nahezu jedem Rollenspiel gibt es Abenteuer, an deren Wendepunkt der Spieler regelverändernde/-erweiternde Fähigkeiten oder Werkzeuge erhält. Beispielsweise findet er einen Schlüssel, der ihm einen Zugang zu einem bisher geheimen Bereich verschafft. Oder er hält einen Ring in seinen Händen, der ihm eine sekundenschnelle Reise von einem Ort zum nächsten ermöglicht.
‚Features‘ sind demnach besondere badges, deren Wert für den einzelnen weniger in der Sichtbarkeit für andere sondern vor allem in einer Erweiterung von Möglichkeiten liegt. In dieser Erweiterung liegt aber natürlich trotzdem wie bei allen ‚badges‘ eine heraushebende und abgrenzende Wirkung gegenüber den Mitspielen begründet. Wirkmächtig wird sie vor allem dann, wenn sie für andere unterstützend eingesetzt werden kann, es also dem Spieler möglich ist, auf einfache Art und Weise sich andere Mitspieler dankbar zu machen.

Wen spricht das Werkzeug an?
Jede unserer drei Persönlichkeiten ist aus unterschiedlichen Motiven durch dieses Werkzeug zu motivieren:
Der Achiever durch die von anderen abgrenzende und inhaltlich die Zielerreichung erleichternde Wirkung
Der Explorer durch die sich ihm bietenden neuen Funktionen, deren Möglichkeiten zunächst verstanden sein wollen.
Der Socializer durch die soziale Aufwertung durch die neuen Möglichkeiten und im speziellen durch einen Zugang zu besonderen Kommunikationsräumen.

Wen schreckt das Werkzeug ab?
Nicht jede neue Funktion wird einen motivierenden Einfluss haben. Wer zum Beispiel nicht gerne mit anderen kommuniziert, dem dürfte ein Zugang zu einer geheimen Kommunikationsplattform wenig neuen Anreiz bringen. Auch dürfte der heraushebende Effekt jeden abschrecken, der nicht herausgehoben sein will. In diesem Zusammenhang sind auch neue Pflichten zu nennen, die sich aus einem besonderen ‚feature‘ ergeben: Ein Motivationskiller für einzelne, bisher auch ohne diese Pflicht sehr zufriedene Spieler.

Was zerstört dieses Motivationsmittel?
Ein ‚feature‘, das jeder besitzt, wird seine motivierende Wirkung schnell verlieren. Darüber hinaus ist die Gefahr groß, dass Spieler, denen aufgrund irgendwelcher Besonderheiten ein solches ‚feature‘ vorenthalten wird, zusätzlich frustriert werden.
Gefährlich ist ebenso eine scheinbare oder reale Unfairness bei der Vergabe des ‚features‘. Es sollten möglichst klare, leistungsbezogene oder aber erkennbar zufällige Gründe zur Verleihung führen. Sehr gefährlich ist eine nicht auf Leistung beruhende Cliquenbildung, die aus bestimmten ‚features‘ resultiert (s. den Artikel „Geht’s auch ohne Hierarchie?“).

Wo finden wir das Werkzeug in Unternehmen?
‚Features‘ zu verleihen ist eine übliche Methode, Führungsnachwuchs motiviert zu halten. Gestaltender Zugang zu eher strategischen Runden mit Zugriff auf höhere Managementränge, Dienstreisen, die das Kennenlernen von fremden Kulturen und den Aufbau von standortübergreifenden Netzwerken ermöglichen. Ein einfaches ‚feature‘ ist die frühe Einbindung in Informationskaskaden, da jeder Informationsvorsprung sich sehr leicht in „Attraktivität“ umsetzen lässt.
Interessant ist jeder Zugang zu entscheidenden Runden für Stellenneubesetzungen. Trainee- und Mentorenprogramme sind in diesem Sinne klassische ‚features‘.
Aber auch außerhalb der Führung gibt es viele ‚features‘. Spezielle Ausbildungsprogramme für Fachkräfte können so genutzt werden. Auch eine Mitarbeit in Projekten oder Sonderaufgaben können die Wirkung eines solchen Werkzeugs entfalten.
Ein weiteres aus Motivationssicht durchaus interessantes Anwendungsfeld sind Maßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance. Hier ist sicherlich die mögliche Wirkung auf die langfristige Motivation von Mitarbeitern noch nicht ausgeschöpft.

Als Schluss noch ein launiges Beispiel, das zeigt, dass nicht durchdachte und kaum mehr reversible Maßnahmen interessante, den Unternehmenserfolg gefährdende Auswirkungen auf spezielle Menschen haben können:
Eine amerikanische Fluggesellschaft verkauft für einen scheinbar sehr hohen Preis lebenslange Firstclass-Tickets. Und verführt damit einzelne Menschen dazu, beispielsweise innerhalb eines Monats 16x aus Spaß zwischen Europa und den USA hin- und herzufliegen. Wenn das nicht die Macht der Motivation durch ‚features‘ auf den Menschen zeigt …

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