Arbeit als Spiel oder Spiel als Arbeit

Heute möchte ich auf ein ‚paper‘ von Zoë Epstein hinweisen, das ich auf der Seite der „Enterprise Gamification Consultancy“ von Mario Herger gefunden habe.
In ihrer englischsprachigen Veröffentlichung beschreibt Epstein in meinen Augen sehr gut, vor welchen Herausforderungen die Gamifizierung steht. Und was ihr momentanes Scheitern im betrieblichen Kontext verursacht.

Die von mir gewählte Überschrift, die im Grunde nur die Zuspitzung eines Zitats von Deterding aus dem Papier ist („turn games into work rather than life into play“ (S.7)) weist auf das Hauptproblem: Wie im Video von Bunchball bleibt heute die Führung mit ihren Strukturen unangetastet. Sie gibt mit Gamifizierung ihre Ziele auf einem neuen Weg an ihre Mitarbeiter weiter. Und meint darüber hinaus, sich der Führungsarbeit durch ein gamifiziertes Spielsystem entziehen zu können.

Dass Arbeit nur dann zum Spiel werden kann, wenn die Arbeitsumgebung in Summe spielerisch ist, wird nicht verstanden. Und noch viel weniger wird die Frage gestellt, warum Arbeit in unseren Unternehmen nicht als Spiel empfunden wird oder werden kann.
Solange wir uns aber diese Frage nicht stellen, werden uns ‚leaderboards‚, ‚levels‚, ‚badges‘ und wie diese Bausteine alle heißen, nicht zu neuer Motivation führen. Denn wie ich ja immer wieder zeige: Unsere Unternehmen haben sie alle schon im Einsatz. Vielleicht nur nicht so bunt und schön wie Badgeville, Bunchball etc. sie umsetzen. Aber vorhanden sind die Werkzeuge.

Als Anregung zum Nachdenken über die Gründe stelle ich uns ein paar weitere Fragen:

  • Aufgrund welcher Kriterien werden Führungskräfte ausgewählt? Sind diese Kriterien für alle transparent und kann sich jeder in den Wettkampf um die höchste Position im ‚leaderboard‘ begeben?
  • Verstehen sich die Führungskräfte als Teil des Teams? Passt sich die Führung personell situativ an die aktuell anstehenden Herausforderungen an?
  • Gibt es ein klares und transparentes Regelwerk? Gelten die Regeln für alle gleich? Wie wird mit sich unfair Verhaltenden umgegangen?
  • Wie ist der Umgang mit Risiko? Ist das „Spiel“ nach einem Fehler zu Ende oder hat man mehr als ein „Leben“? Und was bedeutet „Verlust des Lebens“ im Unternehmen?
  • Kann ich mich in verschiedenen Rollen ausprobieren? Wie einfach ist ein Rollenwechsel? Wird er vom Unternehmen unterstützt?
  • Kann ich streiten? Darf ich streiten? Oder gibt es Runden, in denen ich besser still bin? Wenn ja: Und warum ist das so?
  • Wie verliert man im Unternehmen? Ist ein Verlieren überhaupt vorstellbar? Wird es akzeptiert? Gibt es eine Kultur des Auffangens von Verlierern?
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