Werkzeuge: Leaderboard

In den nächsten Texten möchte ich im Zusammenhang mit Gamifizierung oft genannte Werkzeuge vorstellen. Dabei werde ich gar nicht so tief in die theoretischen Details einsteigen, sondern vielmehr anhand der Anwendung dieser Werkzeuge in Unternehmen meine These bestätigen, dass Unternehmen bereits gamifiziert sind.
Ich starte mit dem ‚leaderboard‘.

Was ist ein ‚leaderboard‘?
Wer jemals ein Rollenspiel gespielt hat, kennt die Seiten, auf denen Listen von Spielercharakteren gezeigt werden, die nach bestimmten Kriterien sortierbar sind. Irgendeiner der Spieler steht mit seinem Charakter ganz oben auf der Liste. Er hat also die meisten Erfahrungspunkte, war der schnellste im Zuschlagen, hat die meisten Gegner besiegt oder hat die höchste Lernstufe im Vergleich zu anderen erreicht.
Diese öffentlichen Listen, die ein Ranking zwischen unterschiedlichen Personen gestatten, nennt man ‚leaderboards‘.

Wen spricht es an?
Im Grunde gibt es nur eine Persönlichkeitsausprägung, die von ‚leaderboards‘ motiviert wird: Unser Achiever. Nur er ist so ehrgeizig, dass er bei ihm wichtigen Kriterien auf einer Liste ganz oben stehen möchte. Und nur er wird alles daran setzen, dies zu realisieren.

Wen schreckt es ab?
Da ein ‚leaderboard‘ ein sehr transparentes Bewertungsmittel ist, schreckt es jeden ab, der nicht gerne im Wettbewerb steht. Es demotiviert ebenso diejenigen, die bei den gezeigten Kriterien aufgrund persönlicher Einschränkungen niemals eine Chance auf ein gutes Ergebnis haben, obwohl sie vielleicht ehrgeizig in Bezug auf ein Ranking sind.

Was zerstört ein ‚leaderboard‘ als Motivationsmitttel?
Zum einen wird eine Unfairness bei der Messung der Kriterien dazu führen, dass die so verfolgte Messgröße als motivierendes Ziel entwertet wird. Es gibt also zum Beispiel einen „Nasenfaktor“, der von den Spielern nicht durch Leistung beeinflussbar ist. Hierfür ein aktuelles und tragisches Beispiel aus Syrien.
Zum anderen ist zu verhindern, dass einzelne überehrgeizige Mitspieler erfolgreich betrügen können. Auch dies würde jegliche Motivation im fairen Verfolgen der Messgröße beenden. Ein gutes Beispiel hierfür ist Doping, das jedem, der nicht zum Doping bereit ist, jegliche Teilnahme an großen Sportereignissen vergällt.

Wo finden wir ‚leaderboards‘ in Unternehmen?

  • Jede Aufbauorganisation ist ein ‚leaderboard‘. Oben die Chefs mit den hohen Einkommen und der Macht, unten das Fußvolk. In der Regel ist alles wunderbar transparent durch Gehaltsstufen und Funktionsbezeichnungen. Das interessante in Bezug auf die Motivation der Mitarbeiter ist hier die Frage, wie es zur Sortierung kommt.
  • In Vertriebsorganisationen gibt es häufig ein Umsatzranking, das Verkäufer zum Erzielen von hohen Neuabschlüssen motivieren soll. Ich zeige unten noch ein Beispiel, warum das nicht unkritisch ist.
  • In großen Konzernen werden Standorte gerne bei fast allen messbaren Kennzahlen miteinander verglichen. Eine wunderbare Möglichkeit, dezentrale Manager aus der Zentrale heraus zu verunsichern, da niemand gleichzeitig in allen Kennzahlen perfekt ist. Und wer genügend Kennzahlen in petto hat, kann als Manager wunderbar mit seinen Untergebenen „spielen“.

Beispiele für ‚leaderboards‘:

  • Absolutes Negativbeispiel für die Anwendung eines ‚leaderboards‘: Der ehemalige Versicherungsvertrieb MEG: In dieser sehr sehenswerten Dokumentation wird ab 19:27 ein ‚leaderboard‘ vorgestellt. Ab 4:21 werden die negativen Konsequenzen des u.a. darüber erzeugten Drucks gezeigt.
  • Ein persönliches Erfahrungsbeispiel für die Risiken bei der Anwendung: In der Schule begann ich, Tischtennis zu spielen. Ich selber hatte nie gespielt, um zu gewinnen. Mein Interesse war am Spiel mit Freunden, an der Bewegung und im Verbessern der Technik begründet. In der ersten Stunde wurde ein ‚leaderboard‘ erstellt. Jeder musste sich namentlich in eine große Liste eintragen, deren Ranking der Selbsteinschätzung der Leistung des einzelnen entsprechen sollte. Regel war: Jeder Rangniedrigere durfte jederzeit den direkt über ihn befindlichen „fordern“. Besiegte er ihn, rückte er an dessen Stelle und der Besiegte musste dem nun unter ihm befindlichen ein Match anbieten. Was war die Konsequenz für mich: Obwohl ich mich recht niedrig eingeschätzt hatte, wurde ich trotzdem in den ersten drei oder vier Terminen noch um weitere 6-8 Plätze nach unten durchgereicht. Meine Motivation zur Teilnahme war zerstört, ich hörte auf.
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