8 hours

In dem Dokumentationsfilm „Workingsman’s Death“, der am 11.05.14 um 22.15h auf ARTE ausgestrahlt wurde, fand ich den Verweis auf ein Zitat von William Faulkner.

„In my opinion it’s a shame that there is so much work in the world. One of the saddest things is that the only thing that a man can do for eight hours a day, day after day, is work. You can’t eat eight hours a day nor drink for eight hours a day nor make love for eight hours — all you can do for eight hours is work. Which is the reason why man makes himself and everybody else so miserable and unhappy.“

ARTE_Workingmans_Death_Faulkner

Das Zitat von 1956 hat mich in seiner Sichtweise auf die moderne Arbeitswelt zum Nachdenken angeregt. Ja, natürlich. Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens beim Arbeiten. Und trotzdem hat arbeiten für viele von uns wenig mit Spaß oder auch nur mit Freude zu tun. Wir machen unsere Arbeit, um uns anschließend durch den Verdienst und/oder den Statusgewinn Dinge leisten zu können, die uns erfreuen. Die sich aber nach kurzer Zeit bereits als schal herauszustellen wie ein zu langer Urlaub oder zu viel des guten Weins. Und deswegen sehnen wir uns bald wieder an unseren Arbeitsplatz zurück, nur um kurz darauf einmal mehr über unsere Arbeit zu klagen.

Der Begriff Arbeit ist in unserer Welt eher negativ konnotiert. Er beinhaltet Notwendigkeit oder Zwang, die Unterordnung in ein weitgehend undemokratisches System, ein sich einfügen in machtvolle Abhängigkeiten, ein sich erarbeiten von Guthaben, die irgendwann einmal in ferner Zukunft Freiheit schenken sollen. Eine Freiheit, mit der viele von uns dann später nicht umgehen können, weil wir den Umgang nie gelernt haben.

Neben der schieren Notwendigkeit für die meisten von uns, über regelmäßige Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen glaube ich, dass mehrere Eigenschaften von Arbeit zur Entmündigung führen:

  • Arbeit ist eine sehr einfache Form von sozialer Anbindung. Wer arbeitet, ist in der Regel unter Menschen, wird wahrgenommen und eingebunden. Auch jemand ohne Familie und Freunde kann sich darüber die für Menschen notwendige soziale Anerkennung holen.
  • Arbeit zu haben wird gesellschaftlich vorausgesetzt. Wer keine Arbeit hat, braucht ein stabiles Selbstbewusstsein. Die Frage: „Und, was arbeitest Du?“ ist eine häufig gestellte im sozialen Alltag. Die Antwort: „Nichts, ich gehe gerade müßig.“ ist nicht erlaubt. Sie wird – falls wahr – verbrämt durch „Projekte“, „kurzfristige Auszeit, um mich weiterzuentwickeln“ … Das schlechte Gewissen scheint in allem davon durch.
  • Der Wert einer Person misst sich für viele durch den Einkommenswert ihrer Arbeit. Und damit ist ein arbeitsloser Mensch ein wertloser Mensch.
  • Arbeit zu haben verhindert ein nachdenken über den Sinn des Lebens. Je stärker eingebunden man in Arbeitsstrukturen ist, desto weniger muss man über die Frage „Wofür ist das Leben gut?“ nachdenken. Wer jeden Tag überschüttet wird mit Reizen, muss nicht darüber nachsinnen, was er die letzten Tage getan hat. Und wozu.
  • Es wird immer genau so viel Geld ausgegeben, wie man mit acht Stunden Arbeit einnimmt. Egal, wie viel Geld man einnimmt.

Was ich mir für Unternehmen wünschen würde:

  • Mehr Dinge machen zu können, die Spaß machen. Mehr Zutrauen. Mehr spielen. Mehr lachen. Denn ich glaube sehr stark an das spielerisch-kreative Potential des Menschen.
  • Mehr Freiheiten, was die Gestaltung der Arbeitszeiten und Arbeitsorte angeht.
  • Eine Aus- und Weiterbildung, die Freiheiten schenkt und nicht nimmt. Die zukünftige Unternehmer ausbildet und nicht zukünftige Großunternehmensbeamte.
  • Weniger Hierarchie. Mehr miteinander. Mehr Vertrauen.
  • Weniger „dürfen und müssen“, mehr „wollen und können“.

Was ich mir für unsere Gesellschaft wünschen würde:

  • Mehr Wertschätzung des Müßiggangs als Quelle von Ideen.
  • Eine Infragestellung des „Immer mehr“.
  • Mehr Mut zum Risiko. Weniger Geradlinigkeit.
  • Mehr Eigenverantwortung. Aber auch ein spielerischerer Umgang mit dem Scheitern.
  • Mehr Berufung. Weniger Lebensläufe.
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2 Antworten zu 8 hours

  1. nonolulu schreibt:

    Wow, schon 1956 eine solche Aussage?! Das hätte ich wirklich nicht gedacht, aber er hat recht.
    Ich sehe es auch so, dass die Menschen mehr Freiheiten bräuchten. Mehr freie Zeiteinteilung und Eigenverantwortung für ihre Arbeit. Im Laden oder so geht das natürlich nicht, aber in diversen Büros sollte das machbar sein.
    Und es gibt auch den Beweis, dass es geht!
    http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/hier_und_heute/videohierundheuteglueckschlaegtgeld100.html

    • montrose72 schreibt:

      Nun ja, 1956 waren ja schon fast 200 Jahre Industrialisierung hinter uns. Also Erfahrungsschatz mit nicht inspirierenden Arbeitsumfeldern gabs damals schon genug.
      Was mich viel mehr interessiert: Wie viele Menschen ertragen überhaupt Freiheit in ihrem Arbeitsumfeld? Und wie viele sind froh, für 8 Stunden am Tag jede Verantwortung an einen Chef wegdelegieren zu können?

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