Der Explorer

In den letzten Beiträgen haben wir uns ein Modell erarbeitet, das uns anhand unterschiedlicher Persönlichkeitstypen eine Basis zur Analyse von menschlichen Verhaltensmustern und Interessenlagen gibt.

Nur wenden wir uns den einzelnen Typen zu und machen uns klar, wer sie in Unternehmen sind und wo wir sie häufig finden.

Starten möchte ich mit dem Explorer.

Wie wir gelernt haben, liegt sein Hauptinteresse im Erwerb von Wissen und im Verstehen von Ursache-/Wirkungsbeziehungen.
Im Verhalten wird er also ein Mensch sein, der sich je nach Interessenlage sehr tief oder breit mit einem Wissensgebiet auseinandersetzt. Er wird uns also als Experte auf seinem Gebiet begegnen. Oder zumindest auf dem Weg dorthin, was an seiner sichtlich hohen Begeisterung für neues auf seinem Gebiet fühlbar ist.
Dabei ist er sich häufig selbst genüge. Kooperation erträgt er als notwendige Randbedingung für Wissenserwerb, die Nutzung von Internet und Literatur und die eigenen Lernerfahrung sind ihm aber eigentlich lieber. Gerne zieht er sich auch länger von allen anderen Aktivitäten zurück, um ein für ihn im Moment wichtiges Problem zu lösen. Dabei kann es allerdings sein, dass niemand sonst das Problem für wichtig hält oder auch nur versteht. Die Lösung dagegen mag dann viele überraschen.
Wenn er kooperieren muss, dann am liebsten mit Menschen ähnlichen Schlags. Hier nimmt er den Austausch als Bereicherung war. Wenig fachlich zielgerichteten Austausch oder reines Netzwerken ist ihm ein Graus. Je nach Charakter kann er hier sehr desinteressiert oder ungeduldig werden. Denkfaulheit verachtet er.
Da er wenig Interesse am Statuserhalt hat, ist er im Kontakt mit anderen Experten sehr lernbegierig. Es ist ihm dabei möglich, auch lang gepflegtes Wissen zu verwerfen, wenn er verstanden hat, dass das Wissen tatsächlich überholt ist.
Im allgemeinen braucht er die Freiheit, auch ohne direkten Anwendungsbezug für ihn wichtige Neuerungen ausprobieren zu dürfen. Starre Regeln und hierarchische Genehmigungsverfahren frustrieren ihn. Es wird ihm deshalb immer wieder gelingen, Nischen zu finden, in denen er ohne Rechenschaftspflicht seinen Interessen folgen kann.

Womit sind solche Menschen zu locken?

Hauptlockmittel ist ein als komplex empfundenes Fachgebiet. Das setzt voraus, dass fachliche Tiefe wertgeschätzt wird, also nicht selbstverständlich von jedem im notwendigen Maße erreichbar ist.
Bei der Erarbeitung dieses Fachwissens sollte größtmögliche Freiheit sichergestellt sein. Wertgeschätzt wird vom Explorer die Möglichkeit, mit anderen Experten in konstruktiven Austausch gehen zu dürfen und Zugang zu allen interessanten Wissensquellen erhalten zu können.
Er braucht die Sicherheit, dass scheitern keine persönliche Konsequenz für ihn hat. Auch eine Sackgasse ist für ihn im Moment des Verstehens ein positiver Wissenserwerb und sollte so gewertet werden.
Er fühlt sich geschmeichelt durch ein hohes Interesse an seiner Expertise. Das setzt allerdings voraus, dass die Anfrage in Bezug auf ein auch für ihn komplexes Problem gestellt wird.

Was schreckt ihn ab?

Fehlende Wertschätzung von Wissen und Verständnis. Hoher Rechtfertigungsdruck. Hoher Anteil sozialer Interaktion, vor allem mit aus seiner Sicht desinteressierten oder gar denkfaulen Menschen. Wettbewerbsdruck.

Wo finden wir ihn eingesetzt?

  • In Forschungsabteilungen, gerne in der Grundlagenforschung.
  • In der Informationstechnik.
  • Im Controlling.
  • Überall im Unternehmen in der Prozessbetreuung komplexer Abläufe oder Werkzeuge/Systeme.
  • In der Qualitätssicherung.

Wo finden wir ihn fehleingesetzt?

  • Im Fachverkauf (Klassische Beispiele: „Nerdige“ Verkäufer von Rad- oder Hifi-Equipment in Großstädten)
  • Im Firstlevelsupport von IT-Systemen (Spott über DAUs = „dümmste anzunehmende User“ als Kunde)
  • Als Schulungsleiter von Grundlagenschulungen („weil er sein Fachgebiet ja so gut beherrscht“).
  • Als Projektleiter in der ziel- und kostenorientierten Entwicklung. („Die Idee ist gut, aber viel zu teuer, das muss auch einfacher gehen.“)
  • Im Management (Fachlich beste Person wird Vorgesetzter)
  • Auf Elefantenfriedhöfen und in unwichtigen Stabsabteilungen („Da nerven sie mit ihren Bedenken wenigsten niemanden mehr.“)
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