Vorschlag zu Persönlichkeiten

In dem einen oder anderen früheren Text hatte ich zwei Theorien zur Spielerpersönlichkeit vorgestellt und bei beiden meine Kritik geäußert. Nun ist es also an mir, einen aus meiner Sicht besseren Vorschlag zu machen.
Marczewski ist mir in seiner Aufteilung zu wenig grundlegend und eindeutig gewesen, seine Struktur nutze ich erst einmal nicht für meinen Vorschlag.
Bartles Idee dagegen erschien mir schön einfach, alleine die Persönlichkeit des „Killers“ erschloss sich mir nicht.

Warum aber erschließt sie sich mir nicht?
Weil sich für mich der „Killer“ einzig und alleine durch eine von anderen Spielern als negativ empfundene Verhaltensweise unterscheidet. Im Rollenspiel trifft er sich wie viele andere in Gilden (also in festen Teams), er entwickelt seinen Spielcharakter wie alle anderen, er löst genauso Rätsel wie sie. Das einzige, was ihn unterscheidet ist sein Spaß daran, zum Beispiel aus dem Versteck heraus andere Mitspieler zu überraschen und zu überwältigen.
Was daran ist eigentlich negativ? Im Grunde ist er ein weiteres überraschendes Element in der Spielewelt. Er ist ein mächtiger Gegner, mit dem ein Spieler an sich zu rechnen hat. Nur eine irgendwie moralische Bewertung hinsichtlich der bewussten Ausnutzung der eigenen Überlegenheit macht ihn zum „Killer“.

Aber was hat eine solche Bewertung in der Beschreibung von Persönlichkeiten zu suchen?
Und wenn wir jetzt also davon ausgehen, dass ein „Killer“ nur ein normaler Spieler mit einer teilweise anrüchigen Zielstellung ist: Gibt es nicht auch andere verwerfliche Verhaltensweisen, die aber nicht dem „Killer“ zugeordnet sind?
Ich denke schon. Zum Beispiel könnte ich mir einen an Wissen interessierten Menschen vorstellen, der nach dem Finden und Lesen eines Schriftstücks dieses vernichtet, um gegenüber anderen einen Wissensvorsprung zu haben. Genauso könnte ich mir jemanden vorstellen, der über Gerüchte andere Menschen sozial isoliert. Oder jemanden, der sich Status über Betrug ergaunert.

Und zuletzt: Ist nicht die Bewertung einer Verhaltensweise vom Umfeld abhängig? Wenn ich innerhalb des Teams eines „Killers“ bin, kann auf Basis meiner Maßstäbe sein Verhalten akzeptabel sein. Wenn ich außerhalb des Teams bin, erscheint es mir verwerflich. Es gibt also offenbar bei der Bewertung von Verhalten eine Umgebungskomponente, die zu berücksichtigen ist. Jeder Mensch kann beides gleichzeitig zeigen: Akzeptables und inakzeptables Verhalten. Es kommt nur auf seine Rolle und die damit verknüpften Erwartungshaltungen an.

Das bringt mich zu meiner Struktur der Persönlichkeiten:

Spielertypen

Es gibt für mich die drei von Bartle bekannten Grundtypen Socializer, Explorer und Achiever.

  • Der Socializer ist dabei an Verbundenheit und Beziehungen interessiert.
  • Der Explorer will Ursache-/Wirkungsbeziehungen verstehen und Wissen ansammeln.
  • Der Achiever will Ziele erreichen und sichtbaren Status gewinnen.

Jeden dieser Typen gibt es in der Bevölkerung in den seltensten Fällen eindeutig. Ein beliebiger Mensch wird im Verhalten eine Schnittmenge der Persönlichkeitsgrundtypen zeigen.

Dabei gibt es jeden Typus mit akzeptablem und inakzeptablem Verhalten. Die jeweilige Ausprägung des Verhaltens ändert aber nicht die prinzipiellen Motivationstrigger. Ein Achiever, der seinen Status durch Betrug absichert, bleibt ein Achiever, der durch Statusgewinn gelockt werden kann. Ein Mobber bleibt ein sozial agierender Mensch (Socializer), der über soziale Akzeptanz gelockt wird. Ein Bücherdieb bleibt ein Explorer, auch wenn er sein Wissen durch den Diebstahl anderen vorzuenthalten versucht. Und er wird auch weiterhin über die Chance auf Wissenserwerb motivierbar sein.

Und was ist der Bartlesche „Killer“ bei mir? Das hängt von seiner Grundmotivation ab. Er könnte ein Explorer sein, der aus sicherer Position heraus wissen will, wie andere Spieler in Kampf und Niederlage reagieren. Er könnte ein Achiever sein, der seinen Statusgewinn im „Barbarentum“ sucht. Er könnte ein Socializer sein, der eine seltsame Art der Beziehungsaufnahme pflegt. Und er könnte alles drei sein. Aber eben nicht nichts davon.

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