Persönlichkeitstypisierung von Marczewski

Wie wir bereits gesehen haben, versucht die Gamifizierung über eine Typisierung von Persönlichkeiten anhand von Verhaltensmustern in Spielen Ansätze für die Gestaltung eines motivierenden Umfelds für möglichst viele Menschen zu finden.

Ein relativ neuer Vorschlag hierzu stammt von Andrzej Marczewski. Auch er sieht Probleme in der Persönlichkeit des Killers, versucht diese dadurch zu lösen, dass er von den vier originären Persönlichkeitstypen nach Bartles abweicht und sechs neue definiert.

Aus seiner Sicht gibt es folgende Persönlichkeiten (wer seine hier verlinkte Seite aufruft, wird den Versuch der Gamifizierung eines Blogs erleben. Ich wünsche dabei viel Spaß):

  • Den ’socialiser‘ mit seiner Priorität auf Verbundenheit und Beziehungen (‚relatedness‘).
  • Den ‚free spirit‘ als den Spielertyp, der vor allem auf Autonomie Wert legt (‚autonomy‘).
  • Den ‚achiever‘, dessen Interessen vor allem auf Meisterschaft abzielen (‚mastery‘).
  • Den ‚philanthropist‘, der Sinnhaftigkeit braucht und sucht (‚purpose and meaning‘).
  • Den ‚player‘, der vor allem an spielerischem Erfolg interessiert ist (‚reward‘).
  • Und den ‚disruptor‘, dessen Hauptziel Veränderung ist (‚change‘).

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Wenn ich seine Aufteilung betrachte, sehe ich folgende Schwachstellen:

  • Wo ist der Killer? Also der Spieler, der – gerne in Banden organisiert – andere Spieler aus dem Versteck heraus überfällt und aus dem Entsetzen der überwältigten Mitspieler seine Motivation zieht? Dass dieser Spielertyp existiert ist unbestritten. Aber ist er ein ‚disruptor‘? Eher nein, denn er will keine Veränderung der Regeln, die ihn ja schützen. Ist er ein ‚free spirit‘? Nein, denn er sucht sich durchaus gleichgesinnte und braucht die Gemeinschaft. Ist er ein ’socialiser‘? Im klassischen Sinne wohl eher nicht. Also wer ist er?
  • Mir erscheinen die Persönlichkeitstypen von Marczewski nicht abgegrenzt genug, um tatsächlich als endgültiges Modell gelten zu können. Eine der Persönlichkeiten, mit denen ich meine Probleme habe, ist der Philanthrop. Welche Sinnhaftigkeit sucht er denn? Und warum sollte nicht ein ’socialiser‘ genauso Sinnhaftigkeit suchen? Er ist doch häufig jemand, der in Beziehungen investiert, um über ein Netzwerk an Beziehungen Sinn zu finden. Ist Sinnhaftigkeit nicht für jeden ein motivierendes Element?
    Ebenso stolpere ich ein wenig über den Disruptor. Ist er nicht ggf. ein Freigeist, der sich den Regeln nicht unterwerfen will sondern sie zu ändern versucht? Oder eher ein Socialiser auf eine besonders schräge Art und Weise, der soziale Anerkennung im Reiben am gegenüber sucht?
  • Schwierig finde ich ebenfalls, dass Marczewski den Begriff des Achievers gegenüber Bartles umdefiniert. Ein Achiever bei Bartles ist jemand, der am Gewinnen hohes Interesse hat. Dieses Merkmal findet sich bei Marczewski beim Player, während bei Marczewski der Achiever eher vergleichbar mit dem Bartleschen Explorer ist. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum Marczewski so gehandelt hat. Es erscheint mir für eine weitere Diskussion eher erschwerend und verwirrend zu sein, sich seine Typisierung auf diese Art und Weise zu wählen.

Alles in allem halte ich diese Typisierung für interessant, um später über motivierende Elemente sprechen zu können. Allein zum Verständnis von grundlegenden Persönlichkeitstypen erscheint sie mir nicht geeignet zu sein.

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