Was bringt uns die Theorie?

Wir haben uns jetzt durch eine relativ trockene Masse an Theorie durchgearbeitet, die vor allem dazu diente, einige wichtige Begriffe einzuführen und zu definieren. Stellt sich die Frage, was uns diese Theorie wirklich im unternehmerischen Alltag bringt.

Wenden wir uns wieder den Beispielen von vor ein paar Tagen zu und versuchen nun, die beschriebenen Menschen ein wenig besser zu verstehen:

Nehmen wir exemplarisch Franz:

Wenn wir uns Franz so anschauen, dann kommen wir schnell zu der Erkenntnis, dass Franz seine tägliche Arbeit sicher nicht aus „Spaß oder Befriedigung beim Tun“ ausführt. Er kommt und geht – unabhängig vom Arbeitsvolumen – stets pünktlich. Offenbar hat er keinen besonderen Ehrgeiz, Vorgänge „erledigt“ zu bekommen oder neue Themen aufzugreifen. Besonders „werteorientiert“ – im Sinne des unternehmerischen Erfolgs oder besonderer Qualität in der Abarbeitung – handelt er ebenfalls nicht. Dies alles lässt darauf schließen, dass er wohl nur begrenzt intrinsisch motiviert ist, seine Rolle im Unternehmen besonders eifrig oder gut auszuüben. Warum kommt er aber dann zur Arbeit?

Wohl auch nicht wegen eines möglichen „Statusgewinns“, vielleicht eher wegen seines Einkommens. Aber auch hier ist zweifelhaft, ob das nicht eher ein Grund neben vielen ist. Wäre er wirklich an einer Erhöhung seines Einkommens interessiert, würde es sich vermutlich anders verhalten. „Verinnerlichte Werte“ als Hintergrund erscheinen mir ebenfalls nicht stichhaltig. Bleibt – wenn die Theorie nicht völlig fehlgehen will – das Handeln auf „Basis von Erwartungshaltungen“ seiner Umgebung. Nur von wem? Und viel spannender: Welcher Umgebung?

Beschränken wir uns auf das berufliche Umfeld, werden wir schnell feststellen, dass wir zu kurz springen. Er ist Mitarbeiter eines Teams, er trägt dort als Mitglied einen Teil der Last. Er scheint aber kein erhöhtes Interesse daran zu haben, hierbei besonders sichtbar zu werden. Das lässt eigentlich eher darauf schließen, dass die Erwartungen seiner Teammitglieder und natürlich auch seines Chefs nur bedingt Motivationsimpuls sind. Dann bleibt nur noch das private Umfeld und die eigene Sicht auf die Rolle als Angestellter, die ihn dazu bringt, morgens das Haus zu verlassen. Spekulativ kann man vermuten: Wenn er eine bessere Idee hätte, seine Zeit zu verbringen und trotzdem ausreichend Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen – er würde sie wohl nutzen.

Aber wie passt sein plötzlich hohes Engagement bezüglich der Abteilungsfeier zu dieser Erkenntnis? Erwartet sein Team dieses Engagement? Bringt es ihm etwas bezüglich Einkommen oder beruflichem Status? Eher nicht. Was treibt ihn also an?

Vermutlich doch wohl die Freude an dieser Art der Arbeit. Und vielleicht nicht einmal das so sehr als vielmehr die Freude an den Rückmeldungen nach der gelungenen Feier aus seinem beruflichen Umfeld.

Diese Beurteilung des Verhaltens von Franz lässt uns jetzt mit ein paar neuen Erkenntnissen und vielen neuen Fragen zurück:

Erkenntnisse

  • Die Quellen der Motivation eines Menschen sind nicht eindeutig. Sie sind eine Sammlung von internen und externen Faktoren, die häufig nicht einfach erkennbar und schon gar nicht einfach steuerbar sind.
  • Die Quellen der Motivation sind abhängig von der Art der Handlung und dem Umfeld, in dem die Handlung geschieht.
  • Die Quellen der Motivation sind abhängig von der Persönlichkeit des betrachteten Menschen.

Fragen

  • Wir haben Franz jetzt ein bisschen näher kennengelernt. Gibt es die Möglichkeit, aus der bisher erkennbaren Persönlichkeit Rückschlüsse auf ein berufliches Umfeld zu ziehen, in dem er mit Freude besondere Leistung erbringen würde?
  • Wie müsste ein solches Umfeld gestaltet sein?

Was also motiviert Franz als Person?

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