Fragestellungen zur Motivation

Wie man am Text „Was ist Motivation?“ sieht, gibt es viele Fragen im Zusammenhang mit persönlicher Motivation, die an jedem Tag in jedem Unternehmen weltweit immer wieder aufs neue gestellt werden. Anhand von beispielhaften Beobachtungen möchte ich im folgenden die Fragestellungen greifbarer machen.

Franz

Der Angestellte Franz kommt jeden Tag um Punkt acht Uhr an seinen Arbeitsplatz und verlässt ihn ebenso pünktlich um sechzehn Uhr. Er ist ein stiller Mitarbeiter, der akkurat die ihm übertragenen Aufgaben ausführt. Im Grunde hört und sieht der Vorgesetzte von ihm nichts. Seine Aufgaben scheint er zu beherrschen.

Nun will der Vorgesetzte ein neues, strategisches Themengebiet erarbeitet wissen. Er geht auf Franz zu, da er ihn für ausreichend kompetent dafür hält und vermutet, dass Franz aufgrund seiner ruhigen, kontrollierten Arbeitsweise Kapazitäten für ein neues Thema frei hat. Und wird überrascht von der vehementen Ablehnung dieses Ansinnens durch Franz, der seine hohe Auslastung als Argument ins Felde führt.

Wenige Tage später gilt es die Abteilungsfeier zu organisieren. Wer läuft zu Hochform auf: Franz. Der Vorgesetzte fühlt sich jetzt in seiner Vermutung bestätigt, dass Franz sehr wohl freie Kapazitäten hat. Alleine wie schafft er es, diese mit ähnlichem Engagement zu füllen, wie es die Aufgabe der Organisation einer Abteilungsfeier vermochte?

Maria

Die Gruppenleiterin Maria ist in dieser Aufgabe bereits seit einigen Monaten aktiv. Ihre Führungskräfte halten große Stücke auf sie. Was auch kein Wunder ist, achtet sie doch stets darauf, sichtbar bei ihren Führungskräften zu sein. Jedes neue Thema wird von ihr besetzt. Gilt es Managementpräsentationen zu halten, kann sich ihre Führung auf sie verlassen.

Was dabei übersehen wird: Ihr Team wird in der selben Zeit von ihrer Stellvertreterin geführt. Deren Überstunden schnellen nach oben, immer öfter stellt diese sich die Frage, warum sie wieder einmal für ihre Chefin in die Bresche springt. Braucht sie Hilfe bei der Lösung eines Problems, erfährt sie, dass Maria einmal mehr an einem Führungskräfteseminar oder einer Networkingveranstaltung teilnimmt. Die regelmäßigen Gruppenrunden fanden schon länger nicht mehr statt. Einzelrücksprachen werden kurzfristig von Maria abgesagt, weil ein weiterer Vortrag vorbereitet werden muss. Man munkelt, dass Maria bereits eine attraktive Nachfolgestelle angeboten bekommen hat.

Dass der Erfolg von Maria mehr ein Potemkinsches Dorf als tatsächlich eigene Leistung ist, nimmt niemand entscheidendes war. Es wird übersehen, dass diese Art zu managen sehr gefährlich für die Leistungsfähigkeit des Teams ist. Denn was wäre zum Beispiel, wenn die Stellvertreterin plötzlich ausfiele?

Markus

Abteilungsleiter Markus sieht und hört man während des Jahres kaum. Er ist sehr angenehm für seine Vorgesetzten. Kommen sie mit einem Wunsch auf ihn zu, können sie sicher sein, dass dieser ohne weitere Diskussion erfüllt wird. Seine Gruppenleiter sind die Leidtragenden seiner Arbeitsweise. Jeder Auftrag der Führung wird direkt zu ihnen durchgeroutet. Sie wissen mittlerweile, dass Diskussionen mit Markus keinen Sinn machen, da er sich keinesfalls mit seinen Vorgesetzten anlegen wird. Also erledigen sie zähneknirschend auch aus ihrer Sicht unsinnige Aufträge von Markus, den sie für einen Schwächling halten.

Was für alle Seiten verblüffend ist: Markus übertrifft sich am Ende des Jahres bei der Vorbereitung des eigenen Zielerreichungsgesprächs. Keine Finte ist zu kreativ, kein Argument zu billig, um die eigene Leistung golden glänzend darzustellen. Seine Chefs kapitulieren vor seiner Durchsetzungsfähigkeit, was die Optimierung der eigenen Vergütung angeht. Und wundern sich, wie tatkräftig, initiativ und engagiert Markus tatsächlich sein kann, wenn er will.

Katharina

Katharina ist kaufmännische Angestellte. Eigentlich ist ihre Aufgabe, regelmäßige Vorgänge strukturiert und nach Vorgaben abzuarbeiten – wie es die Aufgabe aller in ihrem Team ist. Ihr Gruppenleiter ist unzufrieden mit ihr. Im Vergleich zu den anderen ist ihre Arbeitsweise fast schon schlampig, manche Vorgänge bleiben länger als notwendig liegen. Immer wieder kommt es deshalb zu Eskalationen. Sie unterhält sich viel mit Mitarbeitern von Nachbarabteilungen. Im Grunde überlegt ihr Gruppenleiter, sie wegen fehlender Performance abzulösen.

Was ihr Gruppenleiter aber an ihr schätzen müsste, sind die für ihn immer wieder überraschenden Vorschläge, wenn es um die Lösung von Problemen geht. Er versteht nicht, dass diese Vorschläge auf einer ausgiebigen Beschäftigung mit dem führenden IT-System, auf den Gesprächen und dem netzwerken mit anderen Abteilungen und auf einem selbst erarbeiteten Verständnis über den Gesamtprozess beruhen. Dass also Katharinas Begabung auf der momentanen Stelle verschwendet wird, sie deutlich besser als Prozessexpertin und Problemlöserin für schwierige Fälle eingesetzt wäre. Und dass mit einem solchen Einsatz ihre eigene und die Gesamtperformance des Teams deutlich nach oben gehen würde.

 

Aus Sicht eines Unternehmers führt das Verhalten aller dieser Personen nicht zum optimalen Unternehmenserfolg.

Wenn wir uns aber mit dem Thema Motivation auseinandersetzen, dann hat sich der jeweilige Unternehmer tatsächlich die Frage gefallen zu lassen, ob er alles getan hat sicherzustellen, dass seine Ziele von den handelnden Personen als motivierend verstanden werden.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Beispiel abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s